Café Königsbau. Wir spüren den Druck jeden Tag

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Die fetten Jahre sind vorbei. Das gilt wohl auch für Stuttgarter Kaffeehäuser. War die Schwabenmetropole früher mal eine Kaffeehochburg mit 30-40 Cafés, so findet man heute erschreckend wenig traditionelle Cafés im Kessel. Eins hat sich dennoch gehalten: das Café Königsbau.

Wir sind noch da! bestätigt mir Christian Rösslein, der in vierter Generation die Leitung des Traditionshauses am Schlossplatz übernommen hat. Der Konditor und Diplom-Betriebswirt stieg 1997 in die Fußstapfen des Vaters, Groß- und Urgroßvaters.

koenigsbau_cafeUnser Name hilft schon, vor allem bei der älteren Generation. Viele erzählen, dass sie als Kind schon mit ihrer Oma bei uns gewesen sind. Früher war das hier ein echter Hotspot. Man traf sich und zog von hier aus weiter. Doch der Name ist auch Bürde. Es gibt wenige Gastro Betriebe in vierter Generation hier in Stuttgart. Früher war die gesamte Familie involviert. Auch wir Kinder mussten helfen. Ab 21 Uhr die Operngäste bedienen – das war unser Job.

2 homemadeAlles im Café Königsbau ist hausgemacht. Von Hand, ohne Convenience Food, einfach traditionell hergestellt. Mit hiesigen Produkten aus dem Umkreis. Wir haben hier nämlich ganz tolle Produkte, die wir in unserer eigenen Bäckerei und Konditorei verarbeiten. Qualität ist uns sehr wichtig. Lohnt der Aufwand denn noch? Es ist alles eine Frage der Koordination, sagt Christian Rösseln, der auch noch Vater von drei kleinen Kindern ist. Der Aufwand ist sehr hoch, du musst das wirklich wollen. Jeden Tag aufs Neue. Aber es ist schon so, die Leute kaufen sich 200 Euro teure Jeans, aber beim Kuchen wollen sie Rabatt.

Wir haben einen riesen Fehler in den letzten Jahren gemacht. Wir haben den Konditorenberuf völlig unter Wert verkauft, die Konditoren haben ihre Arbeit unter den Scheffel gestellt. Es steck so viel Arbeit, Zeit und Energie in einem Kuchen. Das sehen die Leute einfach nicht. Man könnte so viel machen, aber es fehlt an Qualität um uns herum. Und der Kuchen wird auch nicht größer. 

Traditionen

2014 wurde das Café modernisiert. Alles wirkt ein bisschen entschleunigter. Der Mix im Café ist spannend. Jung und Alt sitzen zusammen und genießen Kaffee und Kuchen. Ein echtes Generationen Haus.

Der Umbau hat sich also gelohnt? Es war an der Zeit, der Moderne Raum zu geben, ohne allerdings den alten Charme des Cafés zu verlieren. Wir wollten damit mehr Atmosphäre schaffen, einen Ort der Kommunikation und des Austausches. Das gefällt nicht jedem, aber den meisten. Es ist eben eine Gratwanderung. Aber ich finde, es ist uns gelungen. Wir haben den Spagat zwischen Tradition und Fortschritt geschafft, wollten das altehrwürdige fassbar lassen. Aber auch den Leuten zeigen, dass wir nach vorne gehen. 

Job

Heute ist Gastronomie ein echter Knochenjob mit einer diesen finanziellen Verantwortung. Die Bürokratie ist extrem, sie macht mir das Leben echt schwer. Manchmal möchte ich einfach alles hinschmeißen. Es steckt so viel Engagement und Arbeit dahinter, auch eine große Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern. Da muss man jeden Tag voll fit sein. Auch wenn wir schon lande am Markt sind, so müssen wir jeden Tag neu überlegen, wie es weiter geht. Und dann im richtigen Moment die richtigen Schritte tun. Das schlaucht manchmal. Aber trotzdem gab es nie eine Option, unser Café nicht weiter zu führen. Ich werde auch in Zukunft die Tradition unseres Hauses fortführen.

Zukunft

CageKönigsbau heuteAch, ich habe Aufgaben für die nächsten 50 Jahre. Lacht. Die Servicequalität steigern und die Qualität der Waren hochhalten, das ist sehr wichtig. Wir wollen nicht jede Mode mitmachen. das geht auch gar nicht. Aber wir wollen eine ganztagesfähife Gastronomie bieten. Frühstück, Mittag, Snacks, Kaffee, Kuchen. Natürlich muss man auch die Kosten im Blick haben. Energie und gutes Personal – das kann einem auch das Genick brechen. Aber wir machen weiter. Das Café ist uns wichtig und wertvoll. Für mich ist das Café Königsbau auch ein zu Hause. Hier bin ich aufgewachsen. Das möchte ich bewahren.

HISTORIE 1922 Heinrich Rösslein gründete das Marstall-Café in Stuttgart (heute Königstraße 1). Seit dem Beginn bis heute Mitglied der Konditoreninnung Stuttgart und erfolgreicher Ausbildungsbetrieb (5 Bundessieger der Konditoren) +++ Nach dem Tod der Eltern 1927 und 1939 betrieb die Familie des Sohnes Theodor Rösslein (Regierungsbaumeister) das Marstall-Café bis ins Frühjahr 1959 weiter +++ 1959 Anfang August Eröffnung des Café Königsbau. Am 06. Oktober 1959 offizielle Einweihung des wiederaufgebauten Königsbaus mit Festakt im Café Königsbau +++ 1961 Eintritt in den Betriebsvergleichsring des Deutschen Konditorenbundes +++ 1962 Dr. Stefan Rösslein wird Bundessieger der Konditoren +++ 1966 Diplom-Kaufmann Dr. Stefan Rösslein/3. Generation übernimmt die Leitung des Traditionshauses +++ 1997 Christian Rösslein/4. Generation, Konditor und Diplom-Betriebswirt (BA) tritt ebenfalls in die Fußstapfen des Vaters, Groß- und Urgroßvaters +++ 2000 Erweiterung im Erdgeschoss durch Café und Kaffeebar “ Der kleine König“ +++ 2009 50 Jahre Café Königsbau +++ 2014 Seit 01. Juli Partnerschaft mit Marco Grenz  bzw. der KURSAAL Cannstatt GmbH

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