Buch Roller. Man kann nicht allein nur von schönen Büchern leben

Buch Roller

Eeigentlich ist er ja Justizbeamter im mittleren Dienst. Doch Bücher waren schon immer seine Passion. Alfred Roller von Buch Roller über die lässigste Zeit seines Lebens, über begeisterte Kunden und über den Traumberuf als Buchhändler.

Ein kleiner Laden am Rande des Königsbaus mit Blick auf den Schlossplatz. Viele kaufen dort einfach nur ihre Zeitung. Doch wer mal einen Blick ins Innere wagt, ist meist erstaunt. Da versteckt sich ein Bücherladen mit tollen Schätzen für jegliches Lesealter. Vor allem aber für kleine Leseratten.

Ich habe schon als Kind viel gelesen, war viel auf Flohmärkten unterwegs. Ein kleines Antiquariat im Bohnenviertel war vor über 30 Jahren sein erster Laden. Dann übernahm Alfred Roller die Friedrich Wolf Buchhandlung am Wilhelmsplatz. Das War eine sehr lässige Zeit damals. Nicht nur, weil ich dort meine zukünftige Frau kennengelernt habe. Die Leute waren noch anders drauf damals. Ich hatte viele Stammkunden, manche waren ganzen Nachmittag bei mir, haben gestöbert, gelesen, gekauft. Ich saß vor der Tür in der Sonne, man kam ins Gespräch, es gab eine richtige Szene.

Nebenbei hatte Alfred Roller auf dem Flohmarkt am Karlsplatz einen Bücherstand. 25 Jahre habe ich da meine Bücher verkauft. Irgendwann stand ??? Hütteman vor mir. Ihm gehörte der Buchladen im Königsbau. Eigentlich aus Scherz sagte ich ihm, wenn er mal aufhöre, übernähme ich seinen Laden. ??? Hütteman war ein ziemlich besonderer Mensch. In seinem Laden musste man sich benehmen. Sonst kam es vor, dass er einen kurzerhand vor die Tür setzte. Auf jeden Fall – nach zehn Jahren stand er wieder vor mir und sagte, ich können wir Laden haben, wenn wir wollten. Natürlich wollten wir. 

Aber dafür die Friedrich Wolf Buchhandlung aufgeben? Mein Herz hing daran. Zwei Jahre lang haben wir beide Läden parallel geführt. Dann wurde der Stress zu groß. Wir entschieden uns für den Königsbau. 

Warum? Es ist einfach ein toller Platz. Außerdem hat das Internet schon damals dem Antiquariat das Wasser abgegraben. Denn was macht einen guten Antiquar aus? Netzwerk und Wissen, wo es was gab. Das war nicht mehr gefragt. Ich habe mein Antiquariat – was eher ungewöhnlich war in dieser Lage – mit rüber gebracht und viele Jahre gepflegt. Aber die Nachfrage wurde immer weniger. Geblieben sind die gebrauchten Taschenbüchlein. Da habe ich immer noch Stammkundschaft aus dem alten Buchladen. Die sind uns treu geblieben.

Meine Favoriten sind eh die alten Kinderbücher. Ein herrliches Sammelsurium, das schöne Kindheitserinnerungen hervor ruft. Ja, da haben wir eine tolle Auswahl und die wiederum ziehen die jungen Mütter an, die diese Bücher von ihren Müttern in ihrer Kindheit vorgelesen bekommen haben. 

Buch Roller abseits vom Mainstream?

Mainstream haben wir auch, aber auch da eher die Besonderen. Man kann nicht allein von nur schönen Bücher leben. Das wäre mein Traum. Lacht. Aber damit ich die Schönen verkaufen kann, muss ich auch Mainstream anbieten. Wir schauen aber auch, dass kleinere Verlage und Stuttgarter Künstler in unserem Sortiment sind. So wie Lev Kaplan (Interview mit dem Künstler hier), der ganz tolle Bücher zeichnet. Oder bei unseren Postkarten. Die sind auch ganz besonders. Die findest du in Stuttgart nicht an jeder Ecke.

Regionalität auch bei Büchern? Ja, uns ist das wichtig. Das Lokale gehört an so einen Platz, wie wir ihn haben. Wir sehen uns auch als einen lokalen Buchladen. Und die Leute mögen es, wenn Geschichten aus ihrer Umgebung hinter Karten oder Büchern stecken. Sie mögen, wenn sie wissen, woher das Buch kommt und wer es gemalt hat.

Früher kamen immer Postkartenvertreter. Die waren dann viele Stunden da, man hat zusammen die Karten ausgesucht. Jetzt ist das eher unpersönlich geworden. Alles geht übers Internet. Keiner kommt mehr vorbei. Bei den Glückwunschkarten ist das glücklicherweise anders. Da ist die Happig wieder wichtig, Prägungen, matt oder ganz. Da kommt wieder jemand vorbei. Ich halte alle in der Hand und wähle aus. Wie früher. Wunderbar…

Kann so ein verhältnismäßig kleiner Laden in der heutigen Zeit eigentlich noch mithalten? Unser Laden mag klein sein. Aber unser fein ausgesuchtes Sortiment und natürlich die fachliche Beratung sind unsere Stärke. Wir haben alle Bücher selber gelesen. Bei uns sind fünf Kindern zuhause – da hatten wir auch jedes Kinder- und Jugendbuch schon mal.  Das ist unser wahrer Wert, wo wir auch das Internet ausstechen. Wir können wirklich empfehlen. 

Das ist auch das Schöne an meinem Job. Ich mag den Kontakt, stehe gerne an vorderster Front.  Man lernt viel über die Leute, über die Bücher, über sich selber. Denn die Menschen müssen sich öffnen, um ein Buch gutes Buch zu bekommen. Und so entsteht eine gute Chemie zwischen dem Kunde und uns. Das merken sich die Leute und kommen über Jahre immer wieder. Sogar die groß gewordenen Kinder, deren Eltern schon bei uns gekauft haben. Sie alle schätzen die Verbundenheit und Begeisterung, die wir an sie weiter geben. Was Schöneres kann dir doch gar nicht passieren. 

 

 

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