Kästner. Hier zu arbeiten ist ein Stück Lebensveränderungsprozess.

Kästner im Königsbau
Uwe Blannarsch

Uwe Blannarsch

Noch ein Stuttgarter Traditionsgeschäft, dass trotz wachsender Konsumtempel und der daraus entstehenden Homogenisierung von Ware, die sich kaum noch von anderen unterscheidet, erfolgreich am Markt ist: KästnerEin Unternehmen, das seit 1889 das Gesicht der Stadt widerspiegelt. Ein Gespräch mit Inhaber Uwe Blannarsch über innere Werte, große Leidenschaft und die Herausforderungen an eine moderne Firma.

Wir knüpfen Beziehungen zu unseren Kunden, erklärt Uwe Blannarsch auf meine Frage, warum Kästner so lange schon auf dem Stuttgarter Markt besteht. Sie sollen Botschafter für Kästner werden, weil sie sich bei uns wohlfühlen, unsere Arbeit schätzen. Zufriedene Kunden sind die beste Werbung für uns. Neukundenwerbung machen wir kaum.

DIE SACHE MIT DER TRADITION: KANN MAN ALT UND NEU VEREINBAREN?

Ein neues Geschäft ist eine Herausforderung. Aber es gibt fast nicht Anstrengenderes, als ein bestehendes Geschäft auf so einem hohen Level zu halten. Für uns ist das die größte Herausforderung. Schließlich haben wir in Stuttgart eine Leuchtturmfunktion. Man kennt uns. Nur von Tradition kann man nicht leben. Nein, das reicht nicht, um weiterhin am Markt zu bleiben. Wir haben Kästner ein modernes Gesicht gegeben, den Laden optimiert, Logo und Firmenname geändert. Aus Kästner Optik wurde Kästner. Wir sehen uns als Marke. Und wir stehen für die Werte, die wir in unserem Haus praktizieren. Dazu gehört auch eine stringente Unternehmenskultur von innen nach außen. An erster Stelle stehen unsere Mitarbeiter, die sich im besten Falle 100-prozentig mit Kästner identifizieren. Diese inneren Werte transportieren wir nach außen. Das funktioniert wunderbar.

Die Perfektion der Augenoptik-Qualität sowie die Optimierung der Prozesse ist ein weiterer Punkt. Unsere Mitarbeiter sind bestens ausgebildet und geschult, wir haben einzelne Fachbereiche geschaffen aber auch Neuerungen aufgenommen, wie beispielsweise den Screening-Bereich, wo Augenauffälligkeiten bereits im Vorfeld erkannt werden können. Wir sind auf allen Messen zwischen Paris, Mailand und München unterwegs, weil wir unseren Kunden das Besondere bieten wollen. Neuheiten bei Brillen ebenso wie Innovationen in der Technik.

WAS TREIBT SIE AN?

Ich hatte schon immer Lust auf Innovation, bin Visionär auf der Suche nach Neuem. Auch im Menschen begeistern bin ich ganz gut. Bei Kästner zu arbeiten ist ein Stück Lebensveränderungsprozess. Unsere Mitarbeiter können ihre Gaben hier voll entwickeln und dabei trotzdem individuell und sie selber bleiben. Sie arbeiten autonom, sie müssen es dem Chef nicht recht machen… So zu arbeiten macht wahnsinnig viel Spaß. 

LERNEN SIE DABEI AUCH NOCH WAS?

Absolut. Ich habe ein tolles Team, das so wahnsinnig gut ist, die haben einfach eine Menge auf dem Kasten. Davon profitiere auch ich.

WIE KAUFT UWE BLANNARSCH EIN? GELTEN DIESELBEN MAßSTÄBE WIE BEI KÄSTNER?

Ich mag es, wenn der Kunde nicht anonym bleibt. Wir haben die Möglichkeit, unsere Kunden mit Namen anzusprechen. Meine Ansprüche, die ich an Unternehmen und Mitarbeiter habe, projiziere ich auch auf andere. Und natürlich erwarte ich sie auch, wenn ich einkaufen gehe. Meine Frau korrigiert mich oft, ich solle doch nicht so hart sein. Aber das liegt in meiner Natur. Ich schätze es, wenn ich mit Namen angesprochen werde. Und auch die jungen Leute mögen das. Wir sind einer der wenigen Traditionsgeschäfte, die eine große Anzahl junger Klientel haben. 

WAS WÜNSCHEN SIE SICH ALSO FÜR EINE EINKAUFSKULTUR?

Wir wollen die Idee verstehen, was der Mensch wirklich braucht. Unser Job ist es, zu begeistern und manchmal auch zu überraschen. Dabei ist es nicht schlimm, wenn einer mal nichts kauft. Es geht um das gute Gefühl, in Beziehung mit Menschen zu stehen, zu plaudern und sich dabei zu öffnen, ohne Zwang. Und wir definieren uns nicht über den Preis. Exzellente Arbeit abliefern mit größtmöglichem Input für tolle Produkte – das ist unser Anspruch. 

WAS VERBINDET SIE MIT DEM STANDORT KÖNIGSBAU?

In Verbindung mit dem schönen Schlossplatz gegenüber hat unser Standort eine gewisse Leichtigkeit. Er versprüht Lifestyle, Freizeit, mit seinen Cafés und der Wiese. Wir finden es toll, Teil davon zu sein. Ich denke, wir haben hier wohl mit den besten Standort und Arbeitsplatz in Stuttgart. 

WAR KÄSTNER DIE RICHTIGE WAHL?

Oh ja, geschäftlich hab ich mehr erreicht, als ich mir erträumt hatte. Die nächste Herausforderung ist, Demut zu haben, auf das zu schauen, was wesentlich ist. Es ist ein Glück, jeden Morgen den Laden aufzuschließen, dass Kunden unser Konzept belohnen, weil sie bei uns einkaufen, wenn Mitarbeiter sagen, es war heute ein toller Tag. Das ist doch wunderbar.

Ich bin bescheiden, natürlich auch gerne erfolgreich, aber ich freue mich, wenn unsere Mitarbeiter sich mit der Kästner Philosophie identifizieren. Der Mensch muss im Respekt und im Wert wichtig sein. Wir verbringen eine wesentliche Zeit miteinander, die muss mit einem guten Lebensgefühl gefüllt sein. Es muss nicht jeder große Karrieregedanken haben. Die Leidenschaft ist wichtig. Ich bin überzeugt, wenn Menschen hart am Wind segeln, gelangen sie zu innerer Zufriedenheit.

Kästner heute

 

HISTORIE 1889 Gründung „Optische Artikel und Laborbedarf“ in der Rotestraße 2 von August Deckert +++ 1914 Übernahme durch Georg Kästner +++ 1959 Übernahme durch Hans Hüppauff mit Trennung in reine Augenoptik: Kästner Optik & Laborbedarf: Kästner Labor +++ 1959 Nach dem Wiederaufbau des im Krieg zerstörten Königsbaus eröffnet Hüppauff in der hinteren Spange (heute Apotheke) Kästner Optik +++ 1970 Sohn Klaus-Henning steigt nach Meisterprüfung in Firma ein +++ 1985 stirbt Hans Hüppauff, seine Frau übernimmt die Firma +++ 1987 Eröffnung „Der Sonnenbrillenladen“ neben Kästner Optik +++ 1988 Klaus-Henning Hüppauff erwirbt diese Firma +++ 1990 Umzug in den vorderen Teil des Königsbaus, „Der Sonnenbrillenladen“ wird integriert +++ 2008 In 5. Generation wird das Unternehmen an Uwe Blannarsch verkauft. +++ 2010 Umfangreicher Umbau und Modernisierung mit Erweiterung auf 320 qm in nur 8-wöchiger Bauzeit  +++ 2014 Uwe Blannarsch ist Gründungsmitglied der Stuttgarter Traditionsgeschäfte  

Buch Roller. Man kann nicht allein nur von schönen Büchern leben

Buch Roller

Eeigentlich ist er ja Justizbeamter im mittleren Dienst. Doch Bücher waren schon immer seine Passion. Alfred Roller von Buch Roller über die lässigste Zeit seines Lebens, über begeisterte Kunden und über den Traumberuf als Buchhändler.

Ein kleiner Laden am Rande des Königsbaus mit Blick auf den Schlossplatz. Viele kaufen dort einfach nur ihre Zeitung. Doch wer mal einen Blick ins Innere wagt, ist meist erstaunt. Da versteckt sich ein Bücherladen mit tollen Schätzen für jegliches Lesealter. Vor allem aber für kleine Leseratten.

Ich habe schon als Kind viel gelesen, war viel auf Flohmärkten unterwegs. Ein kleines Antiquariat im Bohnenviertel war vor über 30 Jahren sein erster Laden. Dann übernahm Alfred Roller die Friedrich Wolf Buchhandlung am Wilhelmsplatz. Das War eine sehr lässige Zeit damals. Nicht nur, weil ich dort meine zukünftige Frau kennengelernt habe. Die Leute waren noch anders drauf damals. Ich hatte viele Stammkunden, manche waren ganzen Nachmittag bei mir, haben gestöbert, gelesen, gekauft. Ich saß vor der Tür in der Sonne, man kam ins Gespräch, es gab eine richtige Szene.

Nebenbei hatte Alfred Roller auf dem Flohmarkt am Karlsplatz einen Bücherstand. 25 Jahre habe ich da meine Bücher verkauft. Irgendwann stand ??? Hütteman vor mir. Ihm gehörte der Buchladen im Königsbau. Eigentlich aus Scherz sagte ich ihm, wenn er mal aufhöre, übernähme ich seinen Laden. ??? Hütteman war ein ziemlich besonderer Mensch. In seinem Laden musste man sich benehmen. Sonst kam es vor, dass er einen kurzerhand vor die Tür setzte. Auf jeden Fall – nach zehn Jahren stand er wieder vor mir und sagte, ich können wir Laden haben, wenn wir wollten. Natürlich wollten wir. 

Aber dafür die Friedrich Wolf Buchhandlung aufgeben? Mein Herz hing daran. Zwei Jahre lang haben wir beide Läden parallel geführt. Dann wurde der Stress zu groß. Wir entschieden uns für den Königsbau. 

Warum? Es ist einfach ein toller Platz. Außerdem hat das Internet schon damals dem Antiquariat das Wasser abgegraben. Denn was macht einen guten Antiquar aus? Netzwerk und Wissen, wo es was gab. Das war nicht mehr gefragt. Ich habe mein Antiquariat – was eher ungewöhnlich war in dieser Lage – mit rüber gebracht und viele Jahre gepflegt. Aber die Nachfrage wurde immer weniger. Geblieben sind die gebrauchten Taschenbüchlein. Da habe ich immer noch Stammkundschaft aus dem alten Buchladen. Die sind uns treu geblieben.

Meine Favoriten sind eh die alten Kinderbücher. Ein herrliches Sammelsurium, das schöne Kindheitserinnerungen hervor ruft. Ja, da haben wir eine tolle Auswahl und die wiederum ziehen die jungen Mütter an, die diese Bücher von ihren Müttern in ihrer Kindheit vorgelesen bekommen haben. 

Buch Roller abseits vom Mainstream?

Mainstream haben wir auch, aber auch da eher die Besonderen. Man kann nicht allein von nur schönen Bücher leben. Das wäre mein Traum. Lacht. Aber damit ich die Schönen verkaufen kann, muss ich auch Mainstream anbieten. Wir schauen aber auch, dass kleinere Verlage und Stuttgarter Künstler in unserem Sortiment sind. So wie Lev Kaplan (Interview mit dem Künstler hier), der ganz tolle Bücher zeichnet. Oder bei unseren Postkarten. Die sind auch ganz besonders. Die findest du in Stuttgart nicht an jeder Ecke.

Regionalität auch bei Büchern? Ja, uns ist das wichtig. Das Lokale gehört an so einen Platz, wie wir ihn haben. Wir sehen uns auch als einen lokalen Buchladen. Und die Leute mögen es, wenn Geschichten aus ihrer Umgebung hinter Karten oder Büchern stecken. Sie mögen, wenn sie wissen, woher das Buch kommt und wer es gemalt hat.

Früher kamen immer Postkartenvertreter. Die waren dann viele Stunden da, man hat zusammen die Karten ausgesucht. Jetzt ist das eher unpersönlich geworden. Alles geht übers Internet. Keiner kommt mehr vorbei. Bei den Glückwunschkarten ist das glücklicherweise anders. Da ist die Happig wieder wichtig, Prägungen, matt oder ganz. Da kommt wieder jemand vorbei. Ich halte alle in der Hand und wähle aus. Wie früher. Wunderbar…

Kann so ein verhältnismäßig kleiner Laden in der heutigen Zeit eigentlich noch mithalten? Unser Laden mag klein sein. Aber unser fein ausgesuchtes Sortiment und natürlich die fachliche Beratung sind unsere Stärke. Wir haben alle Bücher selber gelesen. Bei uns sind fünf Kindern zuhause – da hatten wir auch jedes Kinder- und Jugendbuch schon mal.  Das ist unser wahrer Wert, wo wir auch das Internet ausstechen. Wir können wirklich empfehlen. 

Das ist auch das Schöne an meinem Job. Ich mag den Kontakt, stehe gerne an vorderster Front.  Man lernt viel über die Leute, über die Bücher, über sich selber. Denn die Menschen müssen sich öffnen, um ein Buch gutes Buch zu bekommen. Und so entsteht eine gute Chemie zwischen dem Kunde und uns. Das merken sich die Leute und kommen über Jahre immer wieder. Sogar die groß gewordenen Kinder, deren Eltern schon bei uns gekauft haben. Sie alle schätzen die Verbundenheit und Begeisterung, die wir an sie weiter geben. Was Schöneres kann dir doch gar nicht passieren.